
Lasertechnik
Die Lunge von Krebs befreit
Von Nicola von Lutterotti
Zur Behandlung von Lungenkrebs ist die frühzeitige Erkennung von großer Bedeutung04. Januar 2008 Mit einer neuartigen Lasertechnik lassen sich Lungenmetastasen schonend und oft sogar vollständig entfernen. Dennoch muss nach wie vor ein erheblicher Anteil der Betroffenen auf eine solche mitunter lebensrettende Behandlung verzichten. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass die auch photothermische Resektion genannte Methode selbst in der onkologischen Fachwelt erst unzureichend bekannt ist. Zwar gibt es in Deutschland mittlerweile rund 40 thoraxchirurgische Zentren, die das Verfahren anbieten. Diese Option wird bislang aber recht selten genutzt.
Offenbar nehmen viele Ärzte an, dass sich ein chirurgischer Eingriff bei Patienten mit Lungenmetastasen in den seltensten Fällen lohnt. Bei der herkömmlichen Operationsweise sind solche Vorbehalte in der Tat angebracht. Hier werden die Streuherde mit einem Klammernahtgerät, einem Stapler, vom gesunden Gewebe abgeklemmt und anschließend herausgetrennt. Da man mit dem Stapler nur geradlinige Nähte anbringen kann und - um eine Ausbreitung von Krebszellen zu vermeiden - außerdem einen größeren Abstand zum Tumorrand halten muss, führt die Klammernahttechnik zu erheblichen Gewebeverlusten. Als sinnvoll gilt sie daher nur bei Patienten mit bis zu fünf Lungenmetastasen.
Auf den „richtigen“ Laser kommt es an
Demgegenüber kommt die Laserchirurgie für einen weitaus größeren Teil der Patienten in Betracht. Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung dieses Verfahrens war Axel Rolle vom Zentrum für Pneumologie, Thorax- und Gefäßchirurgie am Fachkrankenhaus in Coswig. Wie der Thoraxchirurg in einem Gespräch erläuterte, bestand der entscheidende Schritt in der Wahl des „richtigen“ Laserlichts. Denn dieses müsse einerseits in der Lage sein, das zarte Lungengewebe zu schneiden, solle aber andererseits die offenen Wunden so gut verschließen, dass weder Blut noch Luft auszutreten vermögen.
Als besonders geeignet hat sich Rolle zufolge Laserlicht mit einer Wellenlänge von 1318 Nanometern erwiesen. Früher mit Neodym-Yag-Kristallen erzeugt, lässt sich dieses inzwischen auch mit Diodenlasern herstellen, und zwar in hoher Intensität, wodurch sich die Operationszeit erheblich verkürzte. Während der Operation tastet der Chirurg die Lunge über einen Schnitt in der seitlichen Brustwand zunächst Zentimeter um Zentimeter ab. Wird er fündig, umkreist er die Wucherung in wenigen Millimetern Abstand vom Tumorrand mit dem Laser und schneidet sie so aus dem Gewebe heraus. Die dabei entstehenden Löcher müssen nur an der Oberfläche vernäht werden.
Es bestimmt nicht in jedem Fall eine Ausicht auf Erfolg.Sachgerecht angewandt führt das Verfahren nur selten zu Komplikationen. Darauf verwies Bernward Passlick von der Abteilung für Thoraxchirurgie der Universität in Freiburg, der das Verfahren ebenfalls seit geraumer Zeit nutzt und derzeit bei weiteren Indikationen erprobt. Zu den Vorzügen der Laserchirurgie zählt demnach, dass nur wenig gesundes Lungengewebe verlorengeht. Denn anders als bei der herkömmlichen Vorgehensweise könne man die Metastasen entlang ihrer Konturen herausschneiden, so Passlick. Auch müsse man nur einen geringen Sicherheitsabstand zum Krebsherd einhalten. Denn mit dem gestreuten Laserlicht lässt sich das Tumorbett offenbar so gut verschweißen, dass die entarteten Zellen nur schwer entkommen können. Passlick zufolge geht bei der Klammernahttechnik etwa siebenmal so viel gesundes Lungengewebe verloren wie bei der Lasertechnik. Daher könne man das Verfahren sogar bei Patienten mit mehr als hundert Lungenmetastasen anwenden.
Nicht allen Betroffenen kommt die Lasertherapie allerdings gleichermaßen zugute. Aussicht auf Erfolg hat sie nach Angaben von Rolle üblicherweise nur, wenn lediglich die Lunge mit Metastasen befallen ist und der ursprüngliche Tumor vollständig entfernt werden konnte. Hat der Krebs indes schon weiter gestreut, lasse das Verfahren keinen therapeutischen Nutzen mehr erwarten. Einer frühzeitigen Diagnose von Lungenmetastasen komme daher erhebliche Bedeutung zu. Dies gelte umso mehr, als viele Krebsleiden zunächst die Lunge besiedelten und erst später auch andere Organe befielen.
Studie zeigt vergleichsweise gute Überlebenschancen.Werden Lungenmetastasen rechtzeitig entnommen, haben die Patienten vergleichsweise gute Überlebenschancen. Das geht unter anderem aus einer von den Coswiger Ärzten vorgenommenen Studie hervor, deren Ergebnisse unlängst im „Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery“ (Bd. 131, S. 1236) veröffentlicht worden sind. In die Untersuchung hatte man insgesamt 328 Patienten mit bösartigen Wucherungen der Niere, des Darms oder der Brust einbezogen. In deren Lungen befanden sich bis zu 124 Metastasen.
Bei 93 Prozent der Patienten mit einseitigem und 75 Prozent jener mit beidseitigem Lungenbefall gelang es, alle tastbaren Wucherungen zu beseitigen. Fünf Jahre später waren in diesen Kollektiven noch 41 Prozent der Patienten am Leben. Bei den Kranken, deren Lungen besonders viele Metastasen aufgewiesen hatten, war die Sterblichkeit allerdings schon deutlich höher. Sie lag aber noch weit unter der von jenen Patienten, die eine Chemo- und Strahlentherapie erhalten hatten, weil ihre Metastasen nicht vollständig entfernt werden konnten. In dieser Gruppe überlebten nur sieben Prozent fünf Jahre lang.
Als besonders düster bezeichnete der Coswiger Thoraxchirurg die Situation von Frauen mit auf die Lunge übergegriffenem Brustkrebs. Hier würden die Streuherde im Atemorgan oft rein zufällig entdeckt und dann häufig nur mit Chemotherapie angegangen. Von den wenigen Betroffenen, die sich irgendwann an ein thoraxchirurgisches Zentrum wenden, hätten viele schon etliche - teilweise fünfzig und mehr - chemotherapeutische Behandlungszyklen hinter sich. Enorm wichtig erscheint es vor diesem Hintergrund, der frühzeitigen Diagnose und Therapie von Lungenmetastasen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
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